Schwabenbühne Roth- und Illertal e.V. - Schwabenbühne Illertissen - Freilichttheater
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Wie eine Familie: Ein Blick hinter die Kulissen der Schwabenbühne

von Nicole Saelzle

Wie eine Familie. Diese Worte fallen immer wieder, als ich mich an einem Mittwochabend mit Andrea Träger auf dem Gelände der Schwabenbühne treffe, um mit ihr über das Wirken der Theatergruppe und ihre Auftritte zu sprechen. Dort sitzen wir unter Bäumen, sozusagen im Biergarten, und plaudern darüber, wie es auf der Freilichtbühne und hinter den Kulissen zugeht und was nötig ist, bis ein Stück aufgeführt werden kann. Es ist auffällig, wie unglaublich ruhig es hier ist, in unmittelbarer Nähe zum Vöhlinschloss und hoch über den manchmal durchaus hektisch und geschäftig befahrenen Straßen der Stadt. Vom Rummel der Stadt bekommt das Publikum hier während einer Aufführung jedenfalls nichts mit – man kann völlig in eine andere Welt eintauchen.

 

Bis ein Theaterstück geprobt werden kann

Da es mir schwer fällt, mir vorzustellen, wie der gesamte Prozess aussieht, bis ein solches Stück überhaupt erst mal besetzt ist und geprobt werden kann, bitte ich Andrea Träger zunächst darum, mir diesen zu veranschaulichen. Wenngleich ich mir den Aufwand enorm vorgestellt hatte, der in die Planung und Umsetzung eines solchen Stückes fließt, wird mir prompt bewusst, wie viele Zahnrädchen hier tatsächlich ineinander greifen müssen.

Das beginnt schon mit der Buchung der Spielstätten, wie sie mir erklärt. So warte man derzeit (Anfang Juni 2024) noch auf Rückmeldung einer Spielstätte, ehe alle Termine für die Winteraufführungen feststünden. Erst dann könne man abfragen, welche Mitglieder des Schwabenbühne Roth- und Illertal e.V. Interesse hätten, in der bevorstehenden Saison auf der Bühne zu stehen.

„Aus verschiedenen Gründen setzen die Menschen auch mal eine oder mehrere Produktionen aus (Familie, Beruf, Schule)“, erklärt sie mir. Doch bis feststeht, was gespielt wird, ist es dennoch noch ein weiter Weg.

Häufig hat man bei der Schwabenbühne schon eine grobe Vorstellung davon, was man als nächstes umsetzen könnte und so sind die Mitglieder zunächst damit beschäftigt, eben solche Stücke zu lesen und vorzuschlagen. Ist eine Endauswahl getroffen, wird diese Endauswahl nochmals gelesen, bis die finale Entscheidung getroffen wird – und selbst die ist  nicht ganz fix. Schließlich müssen die Stücke zunächst bei den Verlagen angefragt und die Konditionen für die Aufführung ausgehandelt werden. Wurde ein Stück im näheren Umkreis bereits an ein Theater vergeben, vergibt der Verlag es in der Region kein  zweites Mal.

 

Das Casting bei der Schwabenbühne in Illertissen

Sind alle Termine einmal klar, sind die Rechte am auserkorenen Stück gesichert, müssen natürlich die Rollen besetzt werden. Die Interessenten für die kommende Saison melden sich zurück – und dann?

Schwabenbühne Illertissen - In 80 Tagen um die Welt

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Wir nennen es Casting. Eigentlich ist es ein Treffen, bei dem die Regisseure den Spielern vorgestellt werden und die Regisseure die Spieler kennenlernen. Da machen wir dann auch „Spiele“, bei denen die Regisseure die Spieler einschätzen können, teilweise werden auch schon Passagen mit verteilten Rollen gelesen und/oder kleine Passagen gespielt oder improvisiert.

Die Regisseure kommen übrigens überwiegend von außerhalb. Hier wird schon mal auf Ausschreibungsmöglichkeiten bei gängigen Film- und Theaterportalen zurückgegriffen, um die geeignete Person zu finden, die sich im Vorfeld natürlich auch die Bühne und die Gegebenheiten vor Ort anschauen darf und mit den Mitgliedern des Vereins über Ideen zur Umsetzung spricht. Laut Andrea Träger liegt es dann auch am Regisseur, die Rollen entsprechend zu vergeben.

Wer sich meldet, wird im Sommer auch in der Regel besetzt. Im Winter ist es schon vorgekommen, dass sich mehr gemeldet haben, als Rollen zur Verfügung stehen. Dann können nicht alle besetzt werden.“

Dies sei aber kein Problem, verrät sie mir. Viele würden dann sagen, dass es schon okay sei und sie nicht unbedingt dabei sein müssten. Denn natürlich ist allen Mitgliedern auch klar, dass die Räumlichkeiten während der Winter-Tournee nur Platz für kleinere Stücke bieten. So fällt die Bühne z.B. in der Illertisser Schranne doch deutlich kleiner aus als auf dem Gelände der Schwabenbühne.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass Rollen nicht besetzt werden können, weil sich nicht genügend Schauspieler gemeldet hatten. „Dann fragen wir bei unseren Stammspielern nach, ob sie nicht doch spielen möchten. Wenn das nicht funktioniert, fragen wir bei anderen Theatervereinen und stellen auch mal einen Aufruf bei Social Media rein.“

 

Die Theaterfamilie der Schwabenbühne

Insgesamt hilft man sich in der Theater-Community häufig aus. So treten Illertisser Schauspieler auch mal bei den Theatern der umliegenden Vereine auf. Auch bei den Kostümen und Props hilft man sich gegenseitig aus. Der Zusammenhalt ist zwischen den Theatern in der Region groß, aber auch innerhalb der Schwabenbühne-Familie. „Es kam auch schon vor, dass während der Saison Leute krankheitsbedingt aussteigen mussten. Da konnten wir dann aber auf unsere Mitglieder zählen.“

Da ist er wieder, der Familienfaktor.

Die Schwabenbühne-Familie ist derzeit übrigens ca. 120 Mitglieder stark, allerdings sind davon lange nicht alle aktiv. 11 Vorstandsmitglieder und ca. 20 Schauspieler sorgen dafür, dass sich Illertissen und die Region auf der Freilichtbühne beim Vöhlinschloss gut unterhalten fühlen können. Hinzu kommen derzeit 31 Mitglieder unter 18 Jahren.

Schwabenbühne Illertissen - Die kleine Hexe

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Ähnliche Probleme wie bei anderen Vereinen, die keine neuen Mitglieder finden oder darunter leiden, dass diese sich oft nicht besonders aktiv einbringen, gibt es einerseits bei der Schwabenbühne durchaus auch, doch insgesamt läuft es im Vergleich zu anderen hier sehr gut. „Zum Arbeiten auf dem Gelände kommen leider nicht so viele Helfer, wie möglich wären. Das ist bei uns nicht anders als bei anderen Vereinen. Was schön ist bei uns, ist, dass wir einige junge Leute in der Vorstandschaft haben, die sehr motiviert sind.

Und auch anderweitig legen sich die Mitglieder der Schwabenbühne mächtig ins Zeug, da können sich andere eine Scheibe abschneiden.

Ganz gleich, ob wir tropische Temperaturen haben oder es aus Eimern gießt, die Schauspieler stehen immer auf der Bühne und geben ihr Bestes. Muskelfaserriss? „Da wird dann halt getapet und man zieht es durch“, sagt mir Andrea Träger. Hart im Nehmen sind sie also bei der Schwabenbühne. „Nur bei Gewitter, da machen wir sofort Pause.“

Aufgrund der Technik, umgeben von Bäumen und hoch oben auf dem Berg wäre das natürlich zu gefährlich. Dazu erzählt sie mir, dass sich ein Gewitter vor wenigen Jahren pünktlich zur Pause ankündigte und man dann einfach die Pause hätte verlängern können. „Das Publikum hat da immer vollstes Verständnis.“

 

Die Herausforderungen des Theateralltags

Wenngleich man sich bei der Schwabenbühne den unterschiedlichsten Widrigkeiten mit Biss stellt, gibt es im Theateralltag dennoch zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. „Dass wir jedes Jahr rechtzeitig fertig werden, mit dem Gelände- und Bühnenbau. Die Stückauswahl stellt auch jedes Mal eine große Herausforderung dar.“

Vielen sei gar nicht klar, wie lange im Voraus die Vorbereitungen beginnen (müssen), merkt der 1. Vorstand der Schwabenbühne hierzu an. Außerdem: „Ich kann mir vorstellen, dass nicht jedem bewusst ist, dass wir das ALLES ehrenamtlich machen. Außer Regie wird niemand bezahlt. Wir managen das alles neben der Arbeit her.“

Und dann ist da noch eine ganz besondere Herausforderung, wie Andrea Träger beinahe beiläufig erwähnt: „Manche [Illertisser] wissen gar nicht, dass es hier ein Freilichttheater gibt.“

 

Mitmachen bei der Schwabenbühne

Solltet ihr bereits darum gewusst – oder jetzt erst davon erfahren – haben, dass Illertissen eine Theatergruppe hat und jetzt Lust bekommen , mitzumachen, dann dürft ihr frei von Hemmungen vorbeischauen. „Jeder kann mitmachen. Es gibt keine Voraussetzungen. Es gibt für jeden eine Aufgabe.“ Doch man sollte sich auch vor Augen führen, dass man (hoffentlich) sehr viel Zeit investieren muss – „die man aber nicht bereuen wird.“

„Unser Anspruch ist, die Zuschauer bestens zu unterhalten. Dafür engagieren wir für jede Produktion eine professionelle Regie. Hier kann jeder auch für sich persönlich etwas lernen/mitnehmen.“ Natürlich muss man auch nicht unbedingt auf der Bühne stehen, wenn man dahingehend Bedenken hat. „[…] Es gibt viele Bereiche, die genau so wichtig sind: Technik, Bühnenbau, Kostüme/Requisite, Verpfleghäusle…]“ Es gibt also genug zu tun. Im Prinzip gibt es nur eine wirkliche Voraussetzung: „Wer kreativ sein möchte und den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zaubern und einen schönen, unterhaltsamen Abend bereiten möchte, der ist bei uns richtig. Wir sind nicht nur ein Verein, sondern sehr gute Freunde.“

 

Ein Blick in die Zukunft

Zum Schluss möchte ich noch wissen, was sich Andrea Träger für die Zukunft der Schwabenbühne wünscht. Sie bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Noch viele weitere Jahre gute Unterhaltung für unsere Zuschauer beim Freilichtsommer und bei der Winter-Tournee.

 

Die nächsten Vorstellungen der Schwabenbühne

Möchtet ihr euch gut unterhalten fühlen, habt ihr dazu schon bald wieder die Gelegenheit. In diesem Sommer spielen die Kinder das beliebte Stück „Die kleine Hexe“, während es für die Erwachsenen „In 80 Tagen um die Welt“ geht. Hierbei dürfen sich die Zuschauer auf eine fantastische Reise freuen – und wenn das Konzept fürs Bühnenbild, auf das ich einen Blick werfen durfte, eines vermittelt, dann, dass es sich wirklich lohnen wird, sich auf diese fantastische Reise einzulassen.

Die Termine für „Die kleine Hexe“ und „In 80 Tagen um die Welt“ findet ihr natürlich auf der Website der Schwabenbühne, wo ihr über den entsprechenden Link auch zu den Ticketvorbestellungen kommt.





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