Agnes von Kirchberg - Illertissen - Spuk in Illertissen - Geistersichtung

Illertissen und seine weiße Frau: Die Geschichte von Agnes von Kirchberg

von Nicole Saelzle

Viele Städte haben ihre eigenen Geistergeschichten, insbesondere wenn Burgen oder Schlösser vorhanden sind, alte Höfe oder verwunschene Lost Places, viele davon mit finsterer Vergangenheit behaftet. Von Geistergeschichten in Illertissen habe ich lange Zeit nicht gehört, bis ich eines Tages dem Museum Illertissen im Vöhlinschloss einen Besuch abstattete und erstaunt feststellte: Illertissen hat seine eigene weiße Frau. Oder hatte. Und eigentlich lief sie nicht in weißer, sondern in brauner Gewandung umher, aber ihr versteht schon …

 

Wer war Agnes von Kirchberg?

Bevor wir uns mit dem Spuk der Agnes von Kirchberg beschäftigen, widmen wir uns dem Leben dieser Frau, die real existierte. Bekannt ist sie auch unter dem Namen Agnes von Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz sowie als Agnes von  Werdenberg. Circa um das Jahr 1385 geboren, war sie eine der fünf Töchter des letzten Grafen von Bludenz, des Grafen Albrecht III. von Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz. Agnes ging aus seiner Ehe mit Ursula von Schaunberg hervor.

Im schwäbischen Adel war Agnes von Kirchberg tief verwurzelt, zum einen über ihren Vater, der einem Zweig der Grafen von Werdenberg (Heiligenberger-Zweig) und einer Nebenlinie der Grafen von Montfort angehörte und ein Nachfahr der Pfalzgrafen von Tübingen war. Zum anderen später über die Heirat ihrer Kinder in verschiedene schwäbische Adelshäuser. Ihre Mutter, war die Tochter des Grafen Heinrich VII. von Schaunberg und Enkelin des Grafen Meinhard VI von Görz-Tirol und die Verwandtschaft mit ihrer Tante Katharina von Werdenberg-Heiligenberg macht sie über die Linie ihres Vaters zudem zur Cousine des Grafen Friedrich VII. von Toggenburg.

 

Illertissen - Vöhlinschloss - Weiher

Die bewegte Ehe der Agnes von Kirchberg

Dass Agnes von Kirchberg einen Grafen heiraten würde, dazu war sie aufgrund ihrer Abstammung und ihres Umfeldes prädestiniert. Mit Graf Heinrich VI. von Rottenburg heiratete sie in den Adel von Tirol und eine Familie, die seit dem 12. Jahrhundert urkundlich belegt war. Zur Zeit der Ehe gehörte die Familie zu den reichsten und wichtigsten Familien des Tiroler Adels. Vor einem turbulenten Leben war Agnes trotz aller Besitztümer allerdings nicht gefeit. Ihr Mann war sowohl Hauptmann an der Etsch sowie Hauptmann des Hochstiftes Trient, bedeutende und einflussreiche, aber alles andere als ungefährliche Positionen.

Wie in Karl Heinz Burmeisters Die fünf Töchter Graf Albrechts III. von Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz. 2009, S. 42. nachzulesen ist, wurde Heinrich von Rottenburg in den Appenzellerkrieg berufen. Bevor er aufbrach, überließ er Agnes jedoch am 28. Oktober 1404 noch ihre Morgengabe und 4.000 Gulden, was ihr unter anderem die Burg Rettenberg und die Zehentbezüge in Kaltern einbrachte. Doch nicht einmal ein ganzes Jahr später sah sich Agnes aufgrund der Ereignisse bei der Schlacht am Stoss dazu gezwungen, nach Tirol zu fliehen.

Zwar kehrte ihr Gatte Heinrich aus dem Krieg zurück und gründete gar ein Bündnis, doch damit lud er den Zorn des Herzogs auf sich. Heinrich geriet in Gefangenschaft und verlor nahezu sämtliche Besitztümer. Um Agnes und beider Tochter Barbara (später verheiratet mit Bero I. von Rechberg-Mindelheim) zu beschützen, empfahl er beide dem Herzog. Heinrich starb kurz nach seiner Freilassung, doch Agnes hatte Glück. Der Herzog gestattete es ihr, die Burg Rettenberg zu behalten, auf die schließlich ihre Heimsteuer und die Morgengabe verschrieben waren, schrieb etwa Ute Monika Schwob in ihrem Werk „Herrinnen“ in Tiroler Quellen. Zur rechtlichen und sozialen Stellung der adeligen Frau im Mittelalter, das in Egon Kühebachers (Hrsg.) Literatur und bildende Kunst im Tiroler Mittelalter. Die Iwein-Fresken von Rodenegg und andere Zeugnisse der Wechselwirkung von Literatur und bildender Kunst erschien.

Ob sie es im Leben schwer hatte oder ob sie aufgrund solch glücklicher Fügungen bei weitem besser dastand, als so manch ein Bericht nahelegt, daran scheiden sich bis heute die Geister.

 

Heirat in die Linie der Kirchberger

Der Name Agnes von Kirchberg rührt natürlich nicht von ungefähr. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Agnes ein weiteres Mal. Ihre Vermählung mit Graf Eberhard VI. von Kirchberg führte sie letztlich nach Illertissen, denn diese Adelsfamilie errichtete die Burg Tissen oder Tüssen – das heutige Vöhlinschloss.

Mit Eberhard VI. hatte Agnes fünf Kinder –  zwei Söhne und drei Töchter. Durch deren Heirat wuchs die Zahl der Adelsgeschlechter, mit denen sie verwandt war. So heiratete Konrad VIII. von Kirchberg Anna von Fürstenberg, die Tochter des Grafen Heinrich V. von Fürstenberg, während ihre Tochter Agnes von Kirchberg (oder Agnes die Jüngere) den Vogt Ulrich IX von Matsch heiratete, den Graf von Kirchberg und Landeshauptmann von Tirol. Bertha von Kirchberg heiratete Johann II. von Tengen, den Graf von Nellenburg, während Anna von Kirchberg zunächst mit Graf Johann II. von Fürstenberg, dann mit Freiherr Werner von Zimmern zu Messkirchen verheiratet war. Der 1475 verstorbene Eberhard VII. von Kirchberg (Eberhard der Jüngere) heiratete ebenfalls und ist zusammen mit seiner Frau im Kloster Wiblingen beigesetzt.

 

Die letzte Ruhestätte der Agnes von Kirchberg

Im weiteren Verlauf, so scheint es, regelte Agnes von Kirchberg ihre Angelegenheiten vor allem von Illertissen aus. Auf der Website des Museum Illertissen heißt es dazu, Agnes sei bis zu ihrem Tod in Illertissen verblieben. Allerdings schrieb Ute Monika Schwob auch darüber, dass die Burg Rettenberg noch über Agnes‘ Tod hinaus im Besitz der Grafen von Kirchberg verblieb, während Wilfried Bahnmüller in Burgen und Schlösser in Tirol, Südtirol und Vorarlberg anmerkt, dass sie wohl auch den Ansitz Moos-Schulthaus bei St. Michael in Eppan als Alterssitz erhalten haben soll. Somit könnte sie zudem – wenn vielleicht auch nur zeitweise – dort gewohnt haben. Nur bedingt weniger spekulativ ist die Frage danach, wo sie ihre letzte Ruhe fand.

Da Eberhard VI. im Kloster Wiblingen, das die Kirchberger – insbesondere Eberhard und Agnes – förderten, beigesetzt wurde, wird angenommen, dass auch sie dort ihre letzte Ruhestätte fand. Allerdings förderten beide auch das Kloster Ursberg.

Dass Agnes von Kirchberg auf der Museums-Website und den ausliegenden Postkarten ohne Gesicht dargestellt wird, hat übrigens nichts mit der Geistergeschichte zu tun, mit der wir uns gleich näher beschäftigen werden. Tatsächlich findet sich von ihr in der Geschichte bislang kein Bildnis, weshalb nicht bekannt ist, wie sie aussah.

 

Über den Tod hinaus in Illertissen verhaftet

Agnes von Illertissen, die durch die Heirat ihrer Tochter Barbara mit Bero I. von Rechberg-Mindelheim zu einer Ahnin des Bauernjörgs wurde, kam bei allen Turbulenzen im Leben des Öfteren scheinbar noch ganz gut davon. Doch glaubt man dem, was in der Zimmernschen Chronik geschrieben steht, die Froben Christoph von Zimmern Mitte des 16. Jahrhunderts im Schloss Meßkirch zu Blatt brachte, musste Agnes nach ihrem Tod Buße tun.

In eben dieser Chronik heißt es, dass im Schloss Illertissen sowohl bei Tag als auch bei Nacht eine braun gekleidete Gestalt umherwanderte. Dem Werk zufolge soll es sich hierbei um die Agnes von Kirchberg gehandelt haben, die keine Ruhe finden konnte. Ruhe konnten daraufhin auch die Illertisser nicht finden, die diese Erscheinung beschäftigte.

Nur ein kleines Mädchen soll in der Lage gewesen sein, die Erscheinung tatsächlich zu sehen und so wurde eben jenes Mädchen damit beauftragt, dem Wesen zu folgen und zu berichten, was es sah. In die Schlosskapelle soll sich die Erscheinung bewegt haben, dort sei die Frau vor dem Altar niedergekniet, hätte die Arme ausgebreitet und sei verschwunden.

Die Illertisser stellten daraufhin Nachforschungen an und fanden Erstaunliches heraus. So hätte die Gräfin zu Lebzeiten die Verlegung eines Friedhofes veranlasst. Man nahm die Sache in die Hand, machte diese Friedhofsverlegung rückgängig und alsbald hatte der Spuk sein Ende. Mit der Rückverlegung des Friedhofes schien Agnes von Kirchberg ihren Frieden gefunden zu haben, denn die Erscheinung wurde daraufhin nicht mehr gesehen.

 

 

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Ihr kennt Geschichten wie die der Agnes von Kirchberg, die direkt in Illertissen oder der Umgebung handeln? Ihr habt selbst schon Unerklärliches oder Übernatürliches erlebt? Oder wisst um Menschen, denen dergleichen widerfahren ist, vom heilsamen Abbeten über finstere Flüche bis hin zum Spuk? Dann möchte ich mit euch reden



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