Es wurde der bis dahin heißeste Tag des Jahres gemeldet und ich war ganz froh, der abgestandenen Luft meines Büros zu entkommen, wo das Thermometer allmählich in Richtung 30 Grad ging. Mein Ziel an diesem frühen Nachmittag war ein idyllisches Fleckchen Illertissen jenseits der Autobahnbrücke, das sich Jungviehweide nennt und ein Gemeindeteil der Stadt Illertissen ist.
Hier hin verschlägt es Illertisser und Auswärtige, seit Jahrzehnten, wenn sie auf der Suche nach neuen Pflanzen für ihren Garten sind – und eine ganze Menge Inspiration finden sie hier obendrein: Ich stattete der Staudengärtnerei Gaißmayer einen Besuch ab, die in diesem Jahr ihr 45-jähriges Bestehen feierte und schon lange weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Dort traf ich mich mit Geschäftsführer Daniel Pfeiffer, der mich mit auf einen Rundgang durch die Staudengärtnerei sowie über das Areal der Stiftung Gartenkultur nahm und mir somit einen Blick hinter die Kulissen gestattete.

Vom Krankenhausgarten zur weithin bekannten Staudengärtnerei
Salat, Kräuter, Gemüse – Leckeres für die Küche lässt sich direkt im Eingangsbereich der Staudengärtnerei Gaißmayer finden. Inmitten einer Staudengärtnerei, deren Fokus auf besagten Stauden liegt, eine nette Würdigung der Gartenanfänge auf der Jungviehweide, wie ich finde. Denn, wie ich zu Beginn dieses Rundgangs erfahre, baute hier früher das Krankenhaus für seine Küche Gemüse an. Ein spannender, historischer Fakt, um den ich bislang nicht wusste und der mich einmal mehr darin bestätigte, weshalb ich mich auf einen Blogtitel festlegte, bei dem das „Entdecken“ einen zentralen Bestandteil darstellt. Wie es heute mehr denn je der Fall ist, wurde der Gemüsegarten des Krankenhauses aber schon einst Opfer des Preisdrucks – Gemüse baute man nicht mehr selbst an, sondern bezog es günstiger über den Großhändler und damit war der Gemüsegarten Geschichte.

Zum Glück für Gärtner und Hobby-Gärtner, denn nachdem sich das Krankenhaus von dem Grundstück zurückzog, konnte Dieter Gaißmayer an Ort und Stelle die Staudengärtnerei eröffnen und somit einen Ort schaffen, an dem die Pflanzen von der Vermehrung über den Steckling bis zum Verkauf begleitet werden. Laut Pfeiffer ist das auch einer der Gründe, weshalb die Staudengärtnerei Gaißmayer bei Auszubildenden unglaublich beliebt ist. Hier können sie in jeder Phase einer Pflanze ebenso Erfahrung sammeln wie beim Verkauf oder beim Anpflanzen und der Pflege.

Natürlich ist die Staudengärtnerei aber nicht nur bei Azubis äußerst beliebt, denn was das Gelände so besonders macht, sind auch die weitläufigen Verkaufsflächen, auf denen Tausende von Pflanzen gehegt und gepflegt werden, bis jemand kommt, um sie mitzunehmen oder sie im Online-Shop bestellt werden. Ist man vor Ort, kann man es sich kaum vorstellen, doch wie Pfeiffer erklärt, wandern heutzutage etwa 70 Prozent der gekauften Pflanzen virtuell über die Ladentheke, weshalb die Versandabteilung für die Staudengärtnerei von entsprechend großer Bedeutung ist. Viel bekommt man vom geschäftigen Online-Vertrieb jedoch nicht mit, während man über das Areal und die Schaugärten schlendert, um sich entsprechend inspirieren und die Fantasie beflügeln zu lassen.
Die Staudengärtnerei Gaißmayer als Quell der Inspiration
Wenngleich die Online-Komponente also längst nicht mehr wegzudenken ist, so wird die weithin bekannte Illertisser Staudengärtnerei doch sehr rege besucht. Selbst ganze Reisegruppen aus Österreich verschlägt es mit dem Bus auf die Jungviehweide, gartenbegeisterte Besucher, die nicht nur online oder durch den Katalog blättern möchten. Denn wo im Restaurant das Auge die Gaumenfreuden bekanntlich mitisst, bietet die Staudengärtnerei Gaißmayer mit ihren Schaugärten ein wahrlich reichhaltiges Buffet an Augenweiden, bei denen Gartenfreunden das Herz aufgeht.

Die üppig angelegeten Schaugärten bieten eine hervorragende Möglichkeit, über 4.000 Pflanzen sozusagen in „freier Wildbahn“ zu betrachten und sich ein Bild davon zu machen, wie es in Katalogen kaum möglich ist. Wie Pfeiffer darlegt, lassen sich in den Schaugärten die Pflanzen nicht nur in natura betrachten, man kann auch einen Eindruck davon gewinnen, wie eine Pflanze wirkt, wenn sie einzeln steht oder in Gruppen mit anderen oder unter ihresgleichen. Schließlich entfalte jede dieser Optionen eine völlig andere Wirkung. Wer sich einen guten Gesamteindruck verschaffen möchte, dem empfiehlt Pfeiffer sogar, mindestens einmal im Monat vorbeizuschauen. Fortwährend verändere sich das Bild immerhin mit dem Verlauf der Jahreszeiten.
Wer seinen Garten hegt und pflegt, platziert darin aber nicht nur Pflanze an Pflanze. Clever platzierte Deko setzt inmitten der angelegten Staudenbeete Akzente; wie auch der Schaugarten bei der Staudengärtnerei Gaißmayer bestens unter Beweis stellt. Durch Kooperationen mit Künstlern und Kunsthandwerkern finden sich inmitten der wohldurchdachten Schaugärten immer wieder Kunstwerke, die veranschaulichen, wie sich einfach noch ein wenig mehr aus einem Garten machen lässt und wie Pflanzen und Kunst perfekt harmonisieren können.

Sehen, riechen, erleben
Während im Schaugarten derzeit hauptsächlich visuell ansprechende Stauden, Gräser und mehr vorzufinden sind, wird das Angebot in Kürze um einen weiteren Garten erweitert, der ebenfalls zum Entdecken einlädt. Ein Küchengarten befindet sich in Arbeit, der es Besuchern ermöglichen wird, eine noch größere Vielfalt an Kräutern für Garten und Küche kennenzulernen. Da gerne vergessen wird, wie groß und vielfältig das Angebot aus der Natur für den eigenen Küchentisch ist, dürfte sich auch dieser Schaugarten großer Beliebtheit freuen, sobald er einmal seine ersten Entdecker empfängt.
Wie Pfeiffer ausführt, gehe es schließlich nicht immer nur darum, die Kräuter in all ihren Variationen zu sehen, sondern etwa auch einmal daran zu riechen und sich Ideen zu holen. Der neue Küchengarten bietet sich also geradewegs dazu an, die unterschiedlichsten (und ähnliche) Kräuter nicht nur auf visuelle Weise zu erfassen, sondern beispielsweise auch den Unterschied zwischen der einen oder der anderen Minze zu erschnuppern und darauf basierend zu entscheiden, welche Einzug in den eigenen Garten halten sollte.
Team-Work: Viel Verantwortung auf allen Schultern
Die Anlage eines weiteren Schaugarten bedeutet natürlich noch einmal mehr Arbeit – und Arbeit fällt bereits jede Menge an: die Pflege der Schaugärten, Beratung und Verkauf vor Ort, die Bearbeitung und der Versand von Online-Bestellungen, die Planung von Workshops und Durchführung von Events wie den Illertisser Gartentagen. Ich komme also gar nicht umhin zu fragen, wie sich all das bewältigen lässt.

Rund 100 Mitarbeiter seien bei der Staudengärtnerei Gaißmayer derzeit beschäftigt, so Pfeiffer, der zuvor schon davon sprach, dass allein 2 Vollzeit- bzw. 4 Teilzeitkräfte nötig wären, deren Hauptaufgabe darin bestünde, Unkraut zu jähten und in den Schaugärten nach dem Rechten zu sehen. Damit der Betrieb läuft, sei es wichtig, dass sich alle Mitarbeiter ihrer Verantwortung bewusst seien und sich entsprechend um ihre Bereiche und Aufgaben kümmern. Es müsse Verlass auf das Team sein und dahingehend, so Pfeiffer, könne man sich sehr glücklich schätzen. Wer in der Staudengärtnerei Gaißmayer arbeitet, identifiziere sich mit dem Betrieb und bringe sich tatkräftig ein.
Er gesteht aber auch, dass man gerade mit dem Unkrautjähten nicht immer nachkommt. Aber selbst dem lässt sich laut Pfeiffer etwas Positives abgewinnen: Die Leute könnten beruhigt sein, wenn sie sähen, dass selbst bei einem Gärtner hier und da etwas Unkraut sprießt.

Gegenwart und Zukunft in der Staudengärtnerei Gaißmayer
Die Vergangenheit als Küchengarten des Krankenhauses hat das Areal auf der Jungviehweide längst hinter sich gelassen. Man geht mit der Zeit und ist dieser meist sogar ein gutes Stück voraus. So etwa beim Thema Torf, auf den man seit Jahren im Substrat gänzlich verzichtet. Kein einfacher Schritt, wie mir Pfeiffer erklärt, als ich danach frage, welche Herausforderungen ein Unternehmen wie dieses meistern muss, sei es nun wirtschaftlich, politisch oder anderweitig.
Pfeiffer beklagt, dass so manches Mal der Mut, einen Versuch zu wagen, fehle. So hätte die Gärtnerei einst den jahrelangen Substrat-Lieferanten angefragt, ob man nicht auf Torf verzichten könne, doch der sei der Idee gegenüber verschlossen gewesen. Entsprechend hätte man sich von eben jenem getrennt und sich auf ein Unternehmen eingelassen, das sich auf den torflosen Versuch einließ. Das Experiment glückte – mit großem Erfolg. Natürlich bietet inzwischen auch der einstige Lieferant torfloses Substrat an …
Mutiger voranzugehen und Ideen zu unterstützen, wären also Schritte in die richtige Richtung. Bisweilen jedenfalls würden sich viele Firmen viel zu langsam weiterentwickeln, so Pfeiffer. Viele würden lieber ihren aktuellen Zahlen Beachtung schenken, statt an die Zukunft – ob nun ihre eigene oder die aller – zu denken. Gerade deshalb, so Pfeiffer weiter, sei es wichtig, Druck aufzubauen – und sei es eben auch durch einen schmerzhaften Anbieterwechsel.

Von der einen Straßenseite auf die andere
An den Rundgang durch die Staudengärtnerei Gaißmayer schlossen wir sogleich einen Rundgang über das Gelände des Stiftung an. Was ich dort alles erfahren und entdecken durfte, findet ihr im nächsten Artikel heraus. Doch einen Hinweis möchte ich an dieser Stelle weiterleiten: Während das Gelände der Stiftung den gesamten Samstag über geöffnet hat, hat es die Staudengärtnerei Gaißmayer nur bis 14:00 Uhr. Wie Daniel Pfeiffer anmerkte, seien viele enttäuscht, würden sie erst das Gelände der Stiftung und das Museum der Gartenkultur erkunden und nachmittags vor den verschlossenen Toren der Gärtnerei stehen: Deshalb empfiehlt sich: Zuerst die Staudengärtnerei Gaißmayer zu besuchen und dann den Besuch auf dem Stiftungsgelände zu genießen.




