Buchhandlung Zanker Illertissen

Zu Besuch in der Buchhandlung Zanker: Von Lesefreuden und Bücherträumen

von Nicole Saelzle

Wer in Illertissen eine Buchhandlung aufsucht, geht nicht in die Buchhandlung. Wer Bücher kauft, geht zum Zanker. Doch wenngleich die Buchhandlung Zanker weiterhin eine feste Größe in der Illertisser Innenstadt ist, gab es in den vergangenen Monaten Änderungen. Vor kurzem durfte ich Juliane Flügel „beim Zanker“ einen Besuch abstatten. Ich sprach mit ihr darüber, wie es dazu kam, dass sie die alteingesessene Buchhandlung übernahm und welche Pläne sie derzeit und für die Zukunft verfolgt.

Eigentlich hegte Juliane Flügel immer den Wunsch, an die Nordsee zu ziehen. Dass sie dieses Unterfangen bisweilen aufgeben musste, machte jedoch die Erfüllung eines ganz anderen Wunsches möglich. Mit der Übernahme der Buchhandlung Zanker lebt sie ihren Traum und sichert in Illertissen das Fortbestehen eines alteingesessenen Ladengeschäftes.

Nach ihrer Zeit als Hausfrau und dem Wiedereinstieg in den Beruf, wurde aus ihrer Leidenschaft für das Lesen plötzlich ihr Beruf: „Irgendwann kommt meine Freundin und sagt: ‚Du liest doch so gerne.'“ In einer Buchhandlung würde jemand gesucht werden. Sie bewarb sich und erhielt prompt die Zusage: „Wow, ein Traum geht in Erfüllung! Wahnsinn! Wie kann das alles so gut laufen?“, beschreibt sie mit strahlenden Augen ihre damalige Situation, die sie später in die Buchhandlung Zanker führen sollte. Denn die Teilzeit-Stelle in ihrem früheren Wirkungskreis weckte in ihr noch einen ganz anderen Wunsch: „Mir war irgendwann klar, ich will was Eigenes. Mein eigener Chef sein. Selber Bücher aussuchen, Kunden beraten, wie ich das machen möchte.“

 

Wie man an eine Buchhandlung kommt

Und es sollte weiterhin gut laufen: Über eine Plattform im Internet sei sie schließlich darauf aufmerksam geworden, dass für die Buchhandlung Zanker ein Nachfolger gesucht werde. „Da dachte ich, ich fahr direkt in meiner Mittagspause mal hin und schau’s mir an.“

Schnell sei sie zunächst mit Frau Zanker ins Gespräch gekommen und die Entscheidung, die Buchhandlung Zanker in Illertissen zu übernehmen, ließ nicht lange auf sich warten. Zu Ende Mai hatte sie ihre alte Stelle gekündigt, um Zeit zu haben, sich mit den Prozessen in der Buchhandlung Zanker vertraut zu machen und auch einen Eindruck davon zu gewinnen, was sie von ihrem alten Arbeitgeber beibehalten wollte und was in der Buchhandlung Zanker anders gemacht werde. „Ich habe dann geguckt, welche Linie ich fahren möchten und die zwei Wochen [die ich vorher in der Buchhandlung Zanker mitgearbeitet habe], haben dann auch ganz gut gereicht.“

Flügel betont im Verlauf des Gesprächs immer wieder, wie offen das Ehepaar Zanker dafür gewesen sei, ihr beim Weiterführen der Buchhandlung freie Hand zu lassen. Auch beim Namen. Lange musste sie nicht überlegen, ob sie diesen beibehalten wollte. Der Ratschlag von Holger Zanker hat sie noch darin bestätigt, am Namen festzuhalten: „Gerne weiterführen, den gibt es ja schon seit 60 Jahren“, hätte er ihr gesagt. Flügel führt ebenfalls aus: „Auch die Kunden sagen ja nicht: ‚Ich geh in die Buchhandlung‘, sondern ‚Ich geh zum Zanker‘.“

 

Konstanten und Veränderungen

Zweifellos wäre es für viele Illertisser, die ihren Lesestoff seit Jahren oder Jahrzehnten „beim Zanker“ besorgen eine immense Umstellung geworden. Dass der Name bleibt, dürften viele begrüßen. Dennoch müssen sie auch mit Veränderungen leben. So habe sich das Barsortiment geändert, so Flügel, weshalb es manche Dinge beim jetzigen Großhändler nicht mehr gebe. „Gerade jetzt bei den Kalendern merken wir das. Die haben da ganz andere Sortimente und wenn dann die Kunden sagen ‚Aber das habe ich doch schon jahrelang so bestellt. Das war bei der Gabi nie ein Problem“ steht man schon vor ein paar Entscheidungen. Die meisten verstehen es aber schon, wenn man es ihnen erklärt.“

 

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Wer aufmerksam durch die Stadt schlendert, hat sicherlich schon bemerkt, dass sich inzwischen das Logo der Buchhandlung Zanker geändert hat und auch der Blick ins Schaufenster verrät, dass hier nun ein frischer Wind weht. Wenngleich man an vielen Dingen festhalten möchte, die man traditionell vom Zanker kennt, so gab es abseits dieser offensichtlichen Änderungen und der Umstellung des Barsortiments auch anderweitig seit Juli ein paar Neuerungen. Ganz gleich ob im Schaufenster oder auf Instagram, man stellt fest, was Juliane Flügel mir im Gespräch bestätigt: „Wir haben ja auch schon ein wenig das Sortiment erweitert. Auch um den Bereich Jugendbuch. Young Adult, New Adult.“

Dass sich diese Sortimentserweiterung lohnt, macht sich sogar schon bemerkbar, so Flügel: „Wir hatten erst gestern eine Rückmeldung, als ein Mädchen reingekommen ist. ‚Danke, es ist so toll. Jetzt muss ich nicht mehr bis nach Ulm fahren, um an die Bücher zu kommen.'“ Da sie die Auswahl der Bücher durch Herr und Frau Zanker zu schätzen wusste, betrachtet Flügel diese Erweiterung als genau das – anderweitig möchte sie das Sortiment belassen.

 

Die Buchbranche und ihre Trends

Die Buchbranche ändert sich aktuell rasant. Trends entstehen und sie verschwinden genauso schnell wieder. Deshalb wollte ich von Flügel wissen, wie sie verschiedene Trends sieht und wie sie entscheidet, auf welche Trends sie aufspringt und bei welchen sie eher davon absieht, sie mitzugehen. Hierbei verlässt sie sich sowohl auf die Vertreterinnen (wie sie lachend anmerkt, waren bislang tatsächlich alle weiblich – einen männlichen Vertreter müsse sie erst noch kennenlernen) als auch auf ihr Team. Gerade bei Genres, die ihr selbst nicht ganz so naheliegen, holt sie Tipps ein, da heißt es dann schon mal „Das ist ein TikTok-Buch und das geht bei TikTok ab.“

Allgemein ist sich Flügel aber darüber im Klaren, dass der Trend überhaupt zu lesen, wieder ein wenig zurückgeht. Hier spricht sie auch an, was ich selbst in der Branche häufig beobachte: Bücher werden als Sammelobjekt gekauft, jedoch bleibt unklar, ob sie auch tatsächlich gelesen werden. Eine solche Feststellung kann man eigentlich gar nicht aussprechen, ohne die umstrittenen Farbschnitte zu erwähnen, die es häufig nur in der ersten Auflage gibt. „Ich würde mir natürlich wünschen, dass die Jugend das liest und nicht nur einkauft, weil es schön ausschaut.“

Trotz des rückläufigen Trends ist Flügel zuversichtlich. „Gerade auch an Weihnachten sieht man, das Buch ist schon noch ein toller Geschenkartikel und ich glaube, es wird so schnell nicht aussterben.“

 



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